Und jetzt?

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ich glaube einige von euch waren auf instagram etwas verwirrt, weil ich den Hashtag #abheutevegan benutzt habe. Euch ist bewusst, dass einfach das Buch so hieß, was ich gelesen habe? ;)

Also von vorne: Ich habe in den letzten Tagen die beiden oben abgebildeten Bücher gelesen. Erstmal das “Tiere essen”, was im Prinzip einige interessante (und leider auch sehr erschreckende) Informationen über die Produktion von tierischen Produkten enthält: Wie kommen unsere “Nutztiere” auf die Welt, wie leben sie, wie sterben sie? Wie ist das heute, wie war das noch vor garnicht allzu langer Zeit? Warum ist der Fleischkonsum so gestiegen? Warum ist der kg-Preis im letzten halben Jahrhundert nicht nennenswert gestiegen, während alles andere um uns immer teurer und teurer wird? Geht es den Kühen, die Milch geben besser, als den Tieren, die von vornherein fürs Schlachten bestimmt sind? Und was ist mit Eiern?

Das Buch war sehr interessant, aber leider wird auch mit jeder Seite klarer: So geht das nicht. Unsere Gesellschaft hat, was den Verzehr von tierischen Produkten angeht, einfach inzwischen schlichtweg übertrieben. Auf Kosten der Tiere, auf Kosten der Umwelt, auf Kosten unserer eigenen Gesundheit.

Die logische Konsequenz daraus wäre vegan zu leben. Nur kann ich es mir sooo radikal ab jetzt und heute und alles andere nie wieder für mich selbst nicht vorstellen und ich behaupte auch, dass es mit einem Mann und einem kleinen Kind sooo nicht umsetzbar ist.

Natürlich hätte ich gerne, dass sich mein Mann auch informiert und eventuell irgendwelche Schlüsse daraus zieht. Ich kann ihn dazu aber nicht zwingen und das will ich auch nicht. Immerhin musste ich auch 28 Jahre alt werden, um mich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Und das kann man nur auf freien Stücken. Ich hatte sogar mal eine Bekannte, die Veganerin war (ich habe keinen Kontakt mehr zu ihr – aus anderen Gründen), die fand ich immer zu extrem. Deswegen wundert es mich selbst umso mehr, dass ich mich damit beschäftige und irgendwie zum selbem Schluss komme.

Das liebe EngelchenFiona hat zu Recht darauf hingewiesen, dass sie skeptisch ist, was den Krümel angeht. Natürlich werde ich, egal was für eine Art von “Experiment” ich für mich mache, den Krümel immer frei entscheiden lassen. Es wir in diesem Haushalt auch weiterhin zb Fleisch und Milch geben, und wenn er mag, kauf ich auch weiterhin für ihn die Leberwurst. Unabhängig von den Inhaltsstoffen, die er dabei zu sich nimmt, soll er selbst entscheiden können, wie er das mag. Dennoch denke ich, wenn man wirklich Ahnung von dieser Art Ernährung hat (die ich definitiv nicht habe), dass es auch bei Kindern nicht zu Mangelerscheinungen führt.

Ich habe mir das Buch “Ab heute vegan” also nicht gekauft, weil ich ab dem hier und jetzt eine punktgenaue Umstellung möchte (was glaub ich auch garnicht geht ohne irgendetwas in einem “normalen” Haushalt wegzuschmeißen und davon werden die Tiere auch nicht wieder lebendig), sondern weil ich in den Rezensionen gelesen hatte, dass es viele “Anfängerfragen” aufgreift. Es wird erst auch das Problem der Massentierhaltung angesprochen, allerdings wirklich nur kurz und knapp, dann werden verschiedene “Ernährungsschubladentypen” erklärt: Allesfresser (Omnivore), Vegetarier (selbst dort gibt es Unterschiede), Veganer, Frutarier… um mal die gröbsten zu nennen. Womit wir auch schon wieder bei so einer Sache wären. Möchtest du Veganer werden? Nein. Möchtest du Vegetarier werden? Schon eher. Ich würde mein derzeitiges Ziel wie folgt beschreiben:

Der Versuch einer weitgehend pflanzlichen Ernährung.

Versuch deswegen, weil ich von all dem noch so ungefähr 0,0% Ahnung habe. Aber ich habe Lust, über den Tellerrand hinauszuschauen. Ich habe Lust andere Rezepte auszuprobieren mit mir bis dato unbekannten Zutaten. Ich habe Lust mir Fleisch weitestgehend zu verkneifen, wobei zb beim Grillen für mich eh immer mehr dazu gehörte: gegrillte Maiskolben, Antipasti, frisches leckeres Brot, ein knackiger Salat… All das ist für mich Grillen. Ich finde es spannend, wenn ich leckere vegane Rezepte lese: funktionieren die so? Schmecken die gut? Schmecken die anders? Ich habe sage und schreibe aufgrund meiner alten Bekannten zwei vegane Rezepte (neben denen, die es eh schon “per Zufall” sind) in meiner Rezepte Sammlung. Das eine davon ist zu meinen absoluten Lieblingen im Sommer geworden und ich wurde auch schon mehrmals nach dem Rezept gefragt. Desweiteren waren wir damals auch mal bei ihr auf einer Einweihungsparty oder so, wo es ein ausschließlich veganes Buffet gab und es hat alles geschmeckt. Mich hat in die Richtung also wirklich die Abenteuerlust gepackt.

Wenn ich von einer “weitgehend pflanzlichen Ernährung” spreche, dann, weil ich mir aus jetziger Sicht betrachtet noch nicht vorstellen kann für immer und ewig auf alles zu verzichten. Ich habe mir, als ich vorhatte meine Ernährung zum Abnehmen umzustellen (ja, ich denke das kann man vergleichen) auch nicht alles Ungesunde in dieser Welt verboten. Das hätte glaub ich den Effekt gehabt, dass ich absoluten Heißhunger dafür aufbaue. Und wer weiß, ob die Kilos dann gepurzelt wären, oder ob ich schon nach kurzer Zeit das Handtuch geschmissen hätte. Wenn ich jetzt denke:

Nie wieder Datteln im Speckmantel! (ist für mich das Highlight, wenn wir Tapas essen gehen, und noch nicht mal vegetarisch ;) )
Nie wieder ein Frühtstücksei mit leicht cremigem Eigelb! (macht mir das mal einer in “vegan”? ;) )
Nie wieder Chilli-Cheese-Nuggets! (sind ungesund und nicht vegan, esse ich natürlich nicht wöchentlich ;) )
Nie wieder rosa gegrilltes Rinderfilet im Steakhaus!
… diese Liste ließe sich jetzt sicherlich noch weiterführen…
dann würde ich pauschal sagen “Nee, das will ich nicht” und deswegen denke ich, dass ob jetzt bei einer Gewichts-bedingten Ernährungsumstellung oder aber bei einer aus ethisch/moralischen Gründen, niemandem VERBOTE etwas bringen. Es macht nur noch mehr wild darauf und außerdem soll das ganze ja Spaß machen und nicht ein Zwang sein.

Dewegen ist mein Vorsatz für die kommende Zeit:
Viele vegane Gerichte zu Hause ausprobieren, mit Alternativen arbeiten und rumexperimentieren. In die vegane Welt reinschnuppern und sie vielleicht lieben zu lernen. Zu Hause (für mich) fleischfrei und nach einiger Zeit evtl vegan zu leben, außer Haus zumindest fleischfrei. Wenn ich dann meine unbedingt die Datteln im Speckmantel essen zu wollen und mir das in dem Moment auch nichts ausmacht, dann ist das halt so. Wenn sich mein Geschmack so verändern sollte, dass ich schlicht gar keinen Appetit mehr auf sowas habe, dann ist das halt auch so.

Ich werde jetzt nicht anfangen unseren Kühlschrank aufzuteilen und in “meinen Teil” darf nur noch veganes gestellt werden, und wenn ein Stück Fleisch da einzieht schmeiß ich es meinem Mann hysterisch um die Ohren :D Es ist ja nun nicht so, dass ich vorhabe, das nicht mehr zu Essen, weil ich es nicht MAG, sondern weil ich inzwischen weiß für was für einen Preis dieser kurze Genuss entstanden ist.

Desweiteren behandelt das Buch “ab heute vegan” Fragen, die sich in einem Neu-Vegan-Leben so stellen, wie zb. man auch außer Haus über die Runden kommt, aber das sehe ich gerade für mich noch nicht so, dass ich da völlig drauf bestehen würde. Dafür bin ich dann auch noch zu sehr “Gruppenmensch”, als dass ich jetzt extra in vegane Restaurants gehe. Wer weiß, weiß wie sich das entwickelt.

Was mache ich jetzt mit meinen Männern? ;)
Die können natürlich weiterhin essen, was sie gerne wollen.
(sehr witzig fand ich, als ich mir letztens Räuchertofu gemacht habe, dass mir der Krümel das immer geklaut und gegessen hat, während der große Mann das partout nicht probieren wollte :D So schön, wie unvoreingenommen die Kinder sind!)
Dennoch möchte ich nun mal die Höfe hier in der Umgebung abklappern. Ich fänd es schon sehr schön, wenn wir einen finden würden, wo wir selber mal sehen können, wie die Tiere dort so leben und dass wir vielleicht den etwas reduzierten Verbrauch an Milch und Eiern, und für die Männer das Fleisch, evtl dort her holen. Das fänd ich zumindest angenehmer, als bei Discounter XL aus der Kühltheke, wo wir uns SICHER sein können, dass es den Tieren schlecht ging.

Ich bin also sehr gespannt, werde weiter lesen, möchte Kochrezepte ausprobieren (würden euch die interessieren?) und einfach bewusster darauf achten, wo wir unsere Lebensmittel herbekommen und was da so drin ist. Experiment weitgehend pflanzliche Ernährung. Wenn ihr dachtet, ihr könntet mich ab dem 1.1. einfach in eine neue Schublade stecken, habt ihr falsch gedacht. Dafür bin ich zu kompliziert ;)

In diesem Sinne wünsche ich euch

einen guten Rutsch ins Jahr 2014!!!

(was sind eure Vorsätze?)

 

3 comments

  1. anitaswelt says:

    Danke für diesen wunderbaren Beitrag, Du sprichst mir total aus dem Herzen! Das mit der weit(est)gehend pflanzlichen Ernährung unterschreibe ich sofort ;)

    Interessant ist auch wie ich darauf gekommen bin: ich habe am World Vegan Month teilgenommen und am Start-Event meinte doch die Vorsitzende: ich bin Veganerin, doch wenn es nicht anders geht (z.B. im Urlaub), dann schalte ich auf vegetarisch um. Dazu noch die Aussage: man muss nicht zwingend ganz vegan leben, jedes nicht konsumierte tierische Produkt ist ein Schritt in die richtige Richtung.
    Gerade letzteres fand ich total erfrischend und das hat mir viele Bedenken genommen.

    Wohin der Weg führt? Keine Ahnung, ich bin gespannt :)

  2. Milly says:

    Huhu,

    ich möchte nur einen kurzen Gedanken zu deinen wirklich tollen Ausführungen da lassen: Bei einer Freundin von mir ist es umgekehrt, nämlich: Ihr Mann lebt seit einigen Monaten ( nach mehrenen Anläufen/Phasen in denen er immer mal auch vegetarisch/fleisch essend unterwegs war) jetzt (wieder) vegan. Die kleine 4 jährige Tochter und die Mama essen weiterhin bewusst weniger Fleisch aber verzichten eben nicht vollständig und das klappt erstaunlich gut. Er lebt mit seienr Einstellung sehr gut und hat sich darauf eingerichtet auch schon mal 2 Essen zu kocchen, die kleine isst mal bei Mama und mal bei Papa mit (also dieses oder jenes Essen auf ihrem Teller) und insgesamt wird so auf jeden Fall über die Ernährung nachgedacht und geredet.
    Es ist also gar nicht soo schwierig eine Umstellung für sich umzusetzen und trotzdem jedem seine Einstellung zu lassen :)
    Und ich glaube, wenn man sich bewusst mit (welchem Thema auch immer) auseinander setzt, folgt fast immer auch eine Umstellung und Änderung der Einstellung, von daher ist doch der Vorsatz “hauptsächlich pflanzlich” schon ein sehr schöner Einstieg.
    Alles Gute für Euch

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