tierisches Gedankenkarussell

Kindheitserinnerungen

Meine Großeltern waren größtenteils Selbstversorger. Sie hatten einen großen Garten, in dem Gemüse und Früchte angebaut wurden, es gab ein Feld auf dem mein Opa Kartoffeln anpflanzte. Auf der Wiese schnatterten die Gänse, daneben der Hühnerstall mit weitem Auslauf. Unter dem Dach der Scheune hatten die Tauben ihren Platz. Die Kaninchen waren in kleinen Boxen untergebracht. Eins nannten wir Blacky, so wie Kinder halt sind. Irgendwann war Blacky weg und wir fragten während des Mittagessens nach ihm. Als Antwort bekamen wir ” vielleicht isser das” mit Blick auf unseren Teller. Das war zumindest der Punkt, an dem ich kein Kaninchen mehr essen wollte ;)

Die zwei Schweine waren an der Deele untergebracht. Sie hatten draußen – ich bin so schlecht im Schätzen – einen vielleicht 3x3m großen Auslauf, wo sie sich im Matsch suhlen konnten. Wenn sie keine Lust mehr hatten, gingen sie durch eine Tür zurück in ihren Stall. Jedes Jahr zwischen Weihnachten und Silvester wurden diese beiden Schweine geschlachtet. Ich kann mich nicht erinnern dort jemals irgendwie mitgeholfen zu haben (wir haben bis ich 5 war im selben Haus gewohnt), doch erzählte mir mein Cousin Jahre später, dass er hin und wieder das Blut rühren musste, damit es nicht geronn. Ja, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen ekelig, aber man muss das Positive daran sehen: Von dem Schwein wurde so ziemlich ALLES verwendet, was genießbar war. Es wurde neben Wurst auch Sülze, Blutwurst etc gemacht und mit Sicherheit auch Teile verarbeitet, was ich im Nachhinein vielleicht garnicht so genau wissen möchte. ;)

Ich mochte damals sehr gerne Möppkenbrot. Schön knusprig aus der Pfanne. Zusammen mit Bratkartoffeln. Mmmh. Ich weiß nicht mehr, wer mir damals erzählt hat, dass das aus Blut mit Zungenstückchen ist… Ihr ahnt es schon, ich habe es nicht mehr angerührt. :-/

Einmal – ich muss inzwischen vielleicht 7 oder 8 gewesen sein – bin ich bei Dunklem in den Keller gegangen. Ich kannte mich ja aus und kam im Halbdunklen zurecht, wollte irgendwas aus der Waschküche holen oder dahinbringen, ich weiß es nicht mehr genau. Ich kann mich nur noch an einen komischen Geruch erinnern, den ich nicht zuordnen konnte. Um zu schauen, was denn da so anders riecht, habe ich mich dann doch zum Lichtschalter getastet. – Klick – und stehe ca. 20cm vor einem halbierten Schwein, was dort gerade zum Ausbluten hang… -_-
Dass ich dort nicht reingelaufen bin, war auch schon alles. Dieser Schreck hat mich allerdings scheinbar nicht so sehr geprägt, dass mir der Appetit verdorben war. (ich war glaub ich einfach NUR froh, dass ich nicht wirklich da reingerannt war und habe wieder in der Wohnstube erstmal alle zusammengepfiffen, warum es niemand für nötig hielt eine Warnung auszusprechen *Kopfschüttel*)

Ja, meine Großeltern haben ihre Schweine geschlachtet, um sie zu essen. Ich glaube trotzdem, dass sie das mit viel mehr Bewusstsein und Respekt dem Tier gegenüber getan haben, als der Durchschnittsbürger dies heute tut. Heute geht man in den Laden und bestellt völlig anonym Filetstück xy…

vom Überfluss

Die Zeit hat sich geändert. Inzwischen geht man in den Supermarkt und bestellt wonach einem ist. Weder muss ich dieses Tier vorher beherbergen, es füttern, noch selbst schlachten und verarbeiten. Ich kaufe einfach ein.

Erst gestern ist mir bewusst geworden, wie verwöhnt wir hinsichtlich dessen schon sind. Ich habe auf der Recherche nach zertifizierten Bio-Höfen und -Märkten einen Biomarkt gefunden, der nur wenige Autominuten stadteinwärts von uns ist. An diesem sind wir schon oft vorbeigefahren, doch drin war ich noch nie. Da ich Schweinefilet auf meinem Einkaufszettel stehen hatte, hatte ich die romantische Vorstellung dies doch mal – koste es, was es wolle – aus diesem zertifizierten Biomarkt zu kaufen.
Ich schlendere also ein bisschen durch die Reihen, schaue, was es auch so an fleischfreien “Ersatzprodukten” gibt, die ich vielleicht mal ausprobieren möchte und komme irgendwann vor der Kühltheke an. Es bietet sich mir ein Bild, was ich so nicht erwartet hätte. Es war ziemlich übersichtlich, alles eingeschweißt und ein Schweinefilet sehe ich auch nicht. Ich frage also nach. Ob ich vorbestellt hätte? Ich oute mich, dass ich zum ersten Mal hier bin und werde aufgeklärt, dass es schon mal sein kann, dass sowas hier in der Auslage liegt, aber gerade jetzt zu den Feiertagen und auch sonst, müsste soetwas vorbestellt werden…
Ich kam mir vor wie der letzte Trampel. Natürlich! Überall woanders liegen ja auch schon mindestens 10 tote Tiere (sorry!) auf “Verdacht” in der Auslage, dass sie wer kauft. Und ich wollte jetzt sogar nur ein Filet! Es ist völlig normal geworden dann auch nur die besten Sachen fast unbegrenzt zur Verfügung zu haben. Fleisch ist etwas so selbstverständliches geworden, dass ich nicht erst zu Hause einen Wochenenplan erstelle und als besonderes Schmankerl fürs Wochenende beim Bauern nebenan ein Filet vorbestelle.

Eigentlich schon wirklich traurig, wenn man mal genauer drüber nachdenkt. Und ja, auch ich habe bisher weniger Gedanken daran verschwendet. :(

Bio-Siegel

Beim Informieren über die verschiedenen Bio-Siegel, die es so gibt, ist mein erster Eindruck, dass das weitverbreiteste Bio-Siegel das ist, welches eigentlich wenigstens Standard sein sollte. Das ganze geschieht immer noch in industrieller Herstellung, hat aber ein Minimal-Maß an Vorschriften, die den Tieren zugute kommen. Die Vorschriften sind aber viel niedriger gehalten, als ich das selber immer gedacht hatte. Es gibt Vorschriften, die schwammig formuliert sind und Hintertürchen offen halten. Zudem gibt es auch Betriebe, in denen sowohl “konventionell”, als auch Bio produziert wird und sich das in meinen Augen irgendwie ausschließt…

Dann habe ich vom Bioland Siegel gelesen und dabei festgestellt, dass der Hof, wo wir unsere Gemüsekiste herbekommen auch danach arbeitet. Die Vorschriften dort klingen schon strenger und ich habe den Eindruck, dass sich das ganze in kleineren Betrieben abspielen muss und garnicht mehr so in riesiger Massentierhaltung funktioniert. Wir waren zum Erntedankfest dieses Jahr dort und haben auch die Kühe gesehen, die der Krümel so toll fand. Allerdings kann ich (noch) nicht einschätzen, wie es denen dort so geht, ob die auch mal auf die Weide dürfen oder wie und wann die Kälber von ihrer Mutter getrennt werden.

Das strengste Siegel scheint das demeter-Siegel zu sein. Besagter Biomarkt von oben bietet zb auch solche Ware an. Allerdings fehlt es mir bei allen noch an fundiertem Wissen, um mir eine eigene Meinung bilden zu können. Egal, wie ich mich für mich selbst entscheide, ob ich in Zukunft auf Fleisch, Eier und/oder Milch verzichten möchte, kann und will ich meinen Mann nicht zwingen einfach mitzumachen. Es widerstrebt mir aber, dass ich ggf. in Zukunft verzichte und er sich ein Discounterschnitzel holt. Dann möchte ich ihm in sofern wenigsten nahelegen können darauf zu achten, wo und wie das Tier gelebt hat, wie es sein Leben lassen musste. Momentan kreisen aber noch viel zu viele Fragen durch meinen Kopf: Es wird bei demeter-Produkten oft damit geworben, dass die Kühe ihre Hörner behalten. Wie sieht es mit anderen Dingen aus: Dürfen die Kälber bei ihnen bleiben? Wie alt werden demeter-Milchkühe? Werden sie danach geschlachtet? Wenn ja, wie? Wie geht es demeter-Hühnern? Und wie ihren ganzen Brüdern? Werden die auch bei demeter-zertifierten Legeställen vergast/zerschreddert?

Ihr seht, da gibt es noch etliche Wissenslücken, die es zu schließen gilt.

Vegan für die Gesundheit?

Ich habe in den letzten Tagen die Reportage “Gabel statt Skalpell” angesehen:

Gabel statt Skalpell (1-2) von musix28

Gabel statt Skalpell (2-2) von musix28

Natürlich ist auch dieser Film wieder beruhend auf der Ausgangslage in Amerika, ich bin jedoch der Ansicht, dass Deutschland dem nur minimalst nachsteht. Es ist sehr interessant, was die beiden Wissenschaftler dort rausgefunden haben und wie sie den viel zu hohen Konsum an tierischen Lebensmitteln mit “modernen” Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und dementsprechend auch Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko oder auch dem Wachsen von Krebszellen in Verbindung bringen.

Sehr sympathisch ist mir desweiteren, dass nicht in jedem 5. Satz das Wort “vegan” fällt oder gar irgendein Missionierungsgeschwafel ertönt (das ist nämlich eigentlich nie Zielführend – weiß ich selbst vom Thema Reboarder…). Es wird meist von einer “weitestgehend pflanzlichen Ernährung” gesprochen. Darunter verstehe ich auch, dass es zumindest erstmal ein erster Schritt wäre den Konsum von tierischen Nahrungsmitteln einzuschränken und auf ein Minimalmaß herunter zu fahren.
Ich finde die Geschichten im Film wirklich erstaunlich, wenn es Leute gibt, die wirklich von 5 Pillen am Tag nicht mehr geheilt werden können, aber eine richtige (? – ist es die richtige?) Ernährung sie gesund leben lässt.

Absolute Guck-Empfehlung, wer die ganze Thematik mit Sicht auf unsere Gesundheit beleuchtet haben möchte. Die Reportage regt zum Nachdenken an: Ist die vegane – oder zumindest die vegetarische – Ernährung vielleicht der Schlüssel zum gesunden Leben oder in wieweit steckt eine “Verschwörung gegen die Pharmaindustrie” dahinter? (am Anfang des Filmes wird erzählt, dass sowohl gesunde, als auch tote Menschen für die Pharmaindustrie unrentabel sind. So ein bisschen chronisch-krank ist also das Profitabelste… ;-) )

zwischenzeitliches Fazit

– ich bin immer noch dumm :D Aber wahrscheinlich schon 3mal schlauer, als der Durchschnittsbürger, der sich einfach garkeine Gedanken macht oder sich in Verdrängung übt ;)
– ich kann mir aus jetziger Sicht vorstellen im neuen Jahr vielleicht mal das Experiment “vegan for fit” zu machen, was ich mir von einer Freundin ausleihen könnte. Diese ist allerdings kläglich daran gescheitert. Aber da wäre die Frage, ob ich mir überhaupt eine vegane Lebensweise vorstellen könnte? Oder gibt es “Teilzeitveganer”? – besonders wenn man mal außerhalb isst, stell ich mir das schwer bis unmöglich vor.
– Ob tierische Produkte von meinem Speiseplan verschwinden oder nicht, ich möchte zumindest darauf achten können, woher all das kommt.
– Wer von euch ist eigentlich Vegetarier/Veganer? Ich weiß von der Blumenpost, dass sie sich vegetarisch ernährt. Seit wann isst du so? Was war bei dir der Ausschlaggeber? Was sind deine Beweggründe für eine solche Ernährung? Wie kommst du bzw. auch deine Umwelt damit zurecht? Hast du auch schonmal über die Produktion von Eiern und Milch nachgedacht? Oder ihr anderen, wie ist das bei euch? Hummelchen, machst du nicht beruflich irgendwas mit Ernährung? Wie ist das gesundheitlich? Fehlt einem tierisches Eiweiß dann?
– Wie ist das eigentlich, wenn ich Milch und Käse-technisch jetzt mal die Kuh als “einzige” Quelle ausklammere? Ein Stück Ziegenfeta schmeckt ja auch sehr gut. Werden die auch “industriell” gehalten? Oder ist es bei anderen Tieren “weniger schlimm”?

Fragen über Fragen! Mein Gedankenkarussell ist im vollen Gang :D

Wenn ihr bis hier hin gelesen habt, Respekt ;)
Diesen sehr authentischen Einblick in die heutige Zeit von ca. 2:00h – 4:30h präsentierte Ihnen: Mein Kopf! :D
(oh man, worüber man sich in der Nacht so Gedanken machen kann, statt zu schlafen!)

7 comments

  1. blumenpost says:

    Alles gelesen, nur den Film nicht gesehen, das schaffe ich erstmal nicht.

    Ich mag seit meiner Kindheit kein Fleisch, bzw kaum. Als Kind habe ich manches noch gegessen, Wurst mochte ich da noch und Hackfleisch (hab mir da keine Gedanken drum gemacht als Kind dass das jetzt nicht das beste Fleisch ist…). Das reduzierte sich mit der Zeit immer weiter, weil ich es einfach nicht mag. Es war dann irgendwann auf “einmal im Jahr Lasagne”, das letzte Mal Fleisch aß ich 2007, da hatte ich plötzlichen Heißhunger auf diese Chiccen Teile von Mc Donalds, ich aß zwei Stück und dann war mir einen Tag richtig schlecht, ich habe das Gefühl mein Körper kann damit gar nicht mehr umgehen (na gut, wieder auch kein “gutes” Fleisch, sondern Fast Food).
    Inzwischen würde ich es auch nicht mehr anfangen zu essen, wenn ich es plötzlich mögen würde.
    Ein Problem hatte ich damit nie wirklich. Weil ich da auch kein Drama drum mache, viele wissen es gar nicht, für mich ist das so normal dass ich nicht jedem erzähle, dass ich kein Fleisch esse. Meine Eltern haben leider wenig Rücksicht drauf genommen und manchmal habe ich nur trockene Kartoffeln gegessen, weil es nichts anderes gab was ich mochte. Meine Großeltern haben bis heute wenig Verständnis und dort gibts für mich meistens Nudeln mit Tomatensoße. Für mich ist das aber ok, ich ess einfach alles bis auf das Fleisch, wenn andere kochen.
    Über die Produktion von Milch und Eiern habe ich mir Gedanken gemacht, Bio kauf ich das sowieso, inzwischen wird die Milch über den Biohof bestellt, der unsere Gemüsekiste liefert. Eier würde ich da gern auch noch umstellen.
    Generell auf Milchprodukte verzichten kann ich mir für mich nicht vorstellen.

    Ich lese deine Berichte zu dem Thema sehr gern, hoffe da kommt noch mehr. :)

    • sommerelfe says:

      Wow, danke für deine schnelle und lange Antwort.
      Und dass du alles gelesen hast.
      Klar, das Video dauert ein bisschen, das ist ja fast eine Spielfilmlänge, aber es war echt gut.

      Ich bin auch noch gespannt, was da bei mir so kommt. Ich merke halt, wie es in mir drinnen am rattern ist. Ich habe ungelogen sehr lange wach gelegen heute Nacht. Mir kommen auch so viele Fragen in den Sinn. Soll ich’s “gleich richtig” machen und vegan leben? Dann merke ich aber, dass es Dinge gibt auf die ich wesentlich schwieriger Verzichten könnte, als auf Fleisch. Ich liebe Käse. Und auch der Gedanke an ein Ei-Ersatzpulver als ein “natürliches” Produkt lässt mich doch eher erschaudern. Daher bin ich gerade auf der Suche nach “ethisch besser vertretbaren Eiern” :D

      Dann kommt es natürlich auch, dass wenn man sich dabei ist zu informieren, man auch immer gleich so Hardcore-Spezialisten da am Werk hat. Diese Missionare, weißte? Und das kann ich ja garnicht gut ab. Da neige ich dann ja auch zu Trotz. Aufklärung gut, aber so ein “wie du überlegst noch Milchprodukte trotzdem zu essen? Das ist immer noch Mord… etc” – ähm, können die nicht einfach froh sein, dass wieder ein Mensch mehr sich ernsthaft Gedanken darüber macht, was so auf seinem Teller liegt?
      Und das alles ist in Zukunft ja nicht ausgeschlossen, es ist halt die Frage ob man sich dabei auch “übernehmen” kann und dann demotiviert aufhört. Das wäre die schlechtere Alternative.

      Und dann gibt es noch Frutarier. Die fallen für mich nur bisher in die Kategorie Komiker. :D
      Und wir sind doch gerade dabei nach Häusern zu schauen und uns auch auf dem Fertighausmarkt umzusehen. Und da musst ich doch tatsächlich daran denken, ob Frutarier in einem Holzhaus leben könnten?:D Sorry, aber auf die Diskussion wäre ich mal gespannt. Aber lassen wir das.

      Ihr werdet von meinen kreisenden Gedanken noch genug ertragen müssen :)

  2. Frau_Schrulle says:

    Ich hab’s auch bis zum Ende gelesen – ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen, eben, weil ich das auch neulich erst durchgemacht habe und auch jetzt wieder tue, weil ich eben doch von meinem veganen Weg wieder abgekommen bin.

    Diese Ausblutungs-Begegnung hatte ich übrigens auch mal – es waren Hasen. Und mich hat auch niemand vorgewarnt. Mein Opa war wohl vorher jagen. Ich erinnere mich auch noch gut daran, dass ich mal beim Spielen bei denen über n frisch geschossenes Tier stolperte – und in meiner kindlichen Neugier habe ich den Finger in das Schussloch stecken wollen…Bäh, wenn ich daran denke…
    Diesen Geruch vom Ausbluten habe ich heute noch in der Nase und ich tue mich schwer damit – wenn ich für die Kater Futter mache und gerade Rinderherz oder so..das riecht ganz furchtbar.

    Ich habe mir aus Milch und Joghurt nie was gemacht. Mein Körper mag das auch nicht sonderlich. Seitdem ich bei der TCM war, weiß ich, Joghurt und Co kühlt meinen Körper…und es ist auch wirklich so, wenn ich mal Quark esse, friere ich danach direkt. Nachdem ich “Die Milchlüge” gesehen habe und in der “China Study” gelesen habe, habe ich das Kapitel Milch zum größten Teil ad acta gelegt.
    Wobei ich in meiner Tasse Kaffee tatsächlich noch Kuhmilch nehme, da dann bio und fair gehandelt (ich mag die vom Bauern im Winter nicht, die nimmt ein bisschen den Futtergeschmack an und das stört mich).
    Das einzige Milchprodukt, auf das ich sehr stehe ist: Käse in vielen Varianten (außer Blauschimmel).
    Fleisch habe ich immer viel und gern gegessen. Morgens Wurst (Leberwurst, Schinken…) auf dem Brot, auf dem zweiten dann halt Käse. Mittags Fleisch in der Kantine, abends, wenn ich gekocht hab, auch gern noch Fleisch. Ein Leben ohne Fleisch? Sicher möglich, aber sinnlos.
    Bio habe ich schon länger gekauft, meine Gemüsekiste beziehe ich seit 5 Jahren.
    Eier kamen auch vom Bauernhof, hab ich auch zeitweise recht viel gegessen.

    Mich nervte das Thema Vegan. Wegen dieser ganzen Missionare. Aber ich hab mir dann gedacht, dass ich über ein Thema nur urteilen kann, wenn ich es probiert habe. Und so überlegte ich, die Vegan for fit Challenge zu machen. Das war allerdings ein Prozess von locker 5 Monaten, bis ich mich reif dafür fühlte. Und ich habe mir meinen Urlaub dafür ausgesucht, damit ich nicht mit Kantine und so konfrontiert werde.
    Die ersten 2-3 Tage waren ganz schwierig. Ich hatte viel mit dem Würgreflex zu kämpfen, keine Ahnung. Nicht, weil es mir nicht schmeckte, mein Körper signalisierte mir so, dass er genug hatte – nur, waren die Portionen recht klein.
    Ich habe während der Challenge viel neues kennengelernt und bemerkt, dass mir Fleisch nicht fehlt. Ich habe umgedacht. Früher hab ich immer gesagt “Nutztiere sind zum Essen da” Ich tue es auch jetzt wieder, aber immer mit einem schlechten Gewissen und das Gefühl “So richtig lecker ist das ja auch nicht”.
    Es ist reine Bequemlichkeit von mir momentan, dass ich mich nicht weiter auf das Thema einlasse, mal eben schnell was bestellen? Ist nicht drin. Mit den Arbeitskollegen essen gehen? Vegan? Nur schwer möglich.
    Ich weiß, viele bekommen das hin und ich bin sicher, man gewöhnt sich daran. Ich kann das einfach momentan nicht, mir fehlt der Elan dazu.
    Allerdings merke ich auch von Tag zu Tag, wie viel besser ich mich körperlich gefühlt habe, als ich mich vegan ernährt habe. Vor allem während der Challenge. Hab ich immer als Quatsch abgetan, wenn ich andere gelesen habe…Und dann stellte ich selber fest: Wow!

    Für mich steht fest, dass ich nach dem Urlaub auch wieder angreife. Ich esse jetzt noch oft vegetarisch, ich hoffe sehr, dass auch in meiner Stadt vegan ein bisschen populärer wird, damit es leichter ist.
    Und man auch in einer hektischen Zeit mal eben schnell was besorgen kann vom Lieferdienst, was nicht grüner Salat ist.

    Teilzeit-Vegan find ich darum schon recht gut. Eine Freundin, die die Challenge machte, nachdem ich so begeistert war, hat von Anfang an gesagt “Ich werde höchstens Teilzeit-Vegan”…(Naja, mittlerweile ist sie zu 99% vegan. Seit August. Bewundernswert, ich bin jedes Mal neidisch, wenn ich ihre Essen auf Instagram bewundere).
    Vegan, wann immer es geht – und wenn nicht, vegetarisch. Und wenn ich mal das Gefühl habe, ich müsste nen Steak essen (und genießen) können…dann tue ich das. So ist der Plan.

    Was ich übrigens seit meinem veganen Ausflug gar nicht mehr gut essen kann, sind Eier. Spiegeleier und gekochte Eier. Seitdem ich mal am Schwefel-Salz (riecht wie Ei) roch, wurde mir schlecht und seitdem ist Ei-Geruch ein No-Go für mich… Brrrr…

    Vegane Missionare nerven mich auch. Leben und leben lassen.
    Allerdings hätte ich auch nie gedacht, dass ich jemals umdenke und es plötzlich doch dieses “Ich esse Leichen” ist, was mir durch den Kopf geht, wenn ich Fleisch esse. Weil ich es immer belächelt habe, wenn ich das irgendwo gelesen habe.

    Lass dich auf die Challenge ein! Wenn’s nichts ist, dann nicht (das sollte dich aber nicht vom Veganismus an sich abschrecken, die Gerichte von AH in der Challenge sind ja schon ne krasse Hausnummer) – teste dich durch vegane Gerichte…und höre auf deinen Körper, wie gut er sich damit fühlen wird.
    Ich tu das auch wieder! Ganz sicher!
    Go vegan ;-D

    • sommerelfe says:

      Das mit der Milchlüge muss ich mir wohl auch mal ansehen. Die Milch selbst zu ersetzen stell ich mir auch einfacher vor, als zb den Käse oder halt die Eier. Die Reismilch von letztens hat ohne Witz sehr lecker geschmeckt.
      Im Kaffee war’s nicht so mein Ding und sie ließ sich nicht gut aufschäumen (hat da wer Erfahrung mit?) aber so kalt pur: yummi. Und der Krümel mochte die auch voll gern. ;-)

      Krass, das mit dem Würgreflex Hab ich inzwischen von mehreren gehört. Und es ist genau das, weswegen meine Freundin die Challenge abgebrochen hat

      • Frau_Schrulle says:

        Für mich ist weder Hafer, Mandel noch Sojamilch Kaffeetauglich. Auch ansonsten mag ich alles drei nicht (mit Müsli getestet), aber da schlage ich echt aus der Art…

        Das mit deiner Freundin ist für mich beruhigend. ;) Ich fühlte mich leicht irre deswegen.
        Aber bei mir war es nach wenigen Tagen weg.. Sonst hätte ich auch abgebrochen.

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